Agrarwende in Österreich: ökologisch und sozial

Plattform „Wir haben es satt“ arbeitet an demokratischer Lebensmittelpolitik

img_20170130_095351735_32453216332_o.jpgDas Jahr 2016 war ein entscheidender Einschnitt für österreichische Landwirtschaft. Seit die PartnerInnen der „Wir haben es satt“- Plattform die Agrarwende eingeläutet haben, scheint das Land im Umbruch zu sein. Der Kurswechsel in der europäischen Agrotreibstoffpolitik und das Scheitern der CETA- und TTIP-Verhandlungen waren erst der Anfang eines umfassenden Umdenkens hin zu einer Agrarwende – sowohl ökologisch als auch sozial. Statt Wachsen oder Weichen ist das gemeinsame Ziel aller AkteurInnen nun eine Landwirtschaft, die Bauern und Bäuerinnen das Überleben sichert und ein angemessenes Einkommen ermöglicht. Eine Landwirtschaft, die mit ihren Grundlagen, den natürlichen Ressourcen, nachhaltig und wertschätzend umgeht. Eine Landwirtschaft, die weder Tiere noch Menschen ausbeutet und auch nicht auf Kosten von Menschen in anderen Teilen der Welt produziert und exportiert. Kurzum, eine Landwirtschaft, die auf Ernährungssouveränität basiert.

„Auf dem Weg zu Ernährungssouveränität stehen wir jedoch ständig vor neuen Herausforderungen“, so die VertreterInnen der Plattform unisono. „Wir müssen zunächst einmal die bestehende Infrastruktur, die durch den Prozess des Wachsens und Weichens entstanden ist, in eine kleinbäuerliche Struktur umbauen, in der auch die Bedürfnisse der Bauern und Bäuerinnen, der KonsumentInnen sowie der Tiere und die Ansprüche des Bodens berücksichtigt werden.“

Dazu brauche es statt der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in Zukunft eine Gemeinsame Lebensmittelpolitik (GLP, „Common Food Policy“) der EU. „Wer, unter welchen Umständen und wie unsere Lebensmittel produziert, geht alle BürgerInnen etwas an, nicht nur die Bauern und Bäuerinnen. Es ist daher höchst an der Zeit, aus der sektorellen Engstirnigkeit einer GAP hin zu einer GLP zu gelangen, “ so die Plattform „Wir haben es satt!“.

Die Frage, „Wer wird uns morgen versorgen?“, die bereits 2017 anlässlich der Wintertagung des Ökosozialen Forums heftig diskutiert wurde, wird nämlich von der Mehrzahl der BürgerInnen eindeutig beantwortet: Die Bauern und Bäuerinnen und nicht die Agrarindustrie!

Mit der Agrarwende 2016 wurden die Weichen für eine sozial und ökologisch gerechte Zukunft gestellt. In der „Unabhängigen BauernPost“, die die Plattform „Wir haben es satt“ schon zum zweiten Mal publiziert, sind die Weichenstellungen und Änderungen der Agrar- und Ernährungspolitik der letzten Jahre im Detail beschrieben: https://wirhabenessattaustria.wordpress.com/bauernpost/

Bilder der heutigen Aktion: https://www.flickr.com/photos/fianoesterreich/albums/72157679750300865

Aktuelle Ausgabe der Bauernpost zum Download.

#Agrarwende #BauernPost
TrägerInnen der Plattform „Wir haben es satt!“ sind AgrarAttac, FIAN Österreich, GLOBAL 2000, Greenpeace, Grüne Bäuerinnen und Bauern, IG-Milch, ÖBV-Via Campesina Austria, SOL, Südwind und Welthaus Diözese Graz-Seckau. Nähere Informationen unter: www.wir-haben-es-satt.at

Rückfragehinweis:

  • Brigitte Reisenberger, FIAN, 0699 18 33 00 33
  • Ewald Grünzweil, IG Milch 0664 20 23 869
  • Walter Bauer, Südwind, 0664 52 40 541
  • Irmi Salzer, ÖBV-Via Campesina Austria, 0699 11 82 76 34
  • Markus Meister, Welthaus Graz, 0676 87 42 30 20

 

 

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Neue BauernPost lesen: Die Agrarwende seit 2016 – sozial und ökologisch

Die Plattform „Wir haben es satt“ hat die 2. Ausgabe der alternativen BauernPost produziert. Am Montag, den 30.1.2017, bei der Eröffnung der Wintertagung des Ökosozialen Forums mit dem Titel „Unser Essen. Unsere Regionen. Wer wird uns morgen versorgen?“, zeigten wir mit der BauernPost wie sich die Zukunft unseres Essens und unserer Regionen im Sinne von Ernährungssouveränität entwickeln wird.

Hier gibt es die aktuelle Ausgabe der BauernPost zum Download.

Ihr wollt BauernPostler*in werden? Bestellt euch die Printausgabe nach Hause und verteilt sie in eurer Familie, Freund*innen, Vereinen und Nachbar*innen. Einfach eine Mail mit Adresse und gewünschter Stückzahl an info@wir-haben-es-satt.at

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Agrarwende ist im vollen Gange – neue Nachrichten von der BauernPost!

Wir suchen Postler*innen für die neue BauernPost…
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Wann: 30.01.2017  8:00 Uhr
Wo: Austria Center Wien, Congresszentrum, Bruno-Kreisky-Platz1, 1220 Wien (U1 VIC)

Die Plattform „Wir haben es satt“ hat die 2. Ausgabe der alternativen BauernPost produziert. Am Montag, den 30.1.2017, bei der Eröffnung der Wintertagung des Ökosozialen Forums mit dem Titel „Unser Essen. Unsere Regionen. Wer wird uns morgen versorgen?“, zeigen wir mit der BauernPost wie sich die Zukunft unseres Essens und unserer Regionen im Sinne von Ernährungssouveränität entwickeln wird.  Zum Eröffnungstag werden EU-Agrarkommissar Phil Hogan, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Mairead McGuinness, Außenminister Sebastian Kurz und Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter erwartet.
Sei auch du dabei – dem Anlass entsprechend in Tracht gekleidet. Wir freuen uns dich in Lederhosen oder Dirndl um 8:00 Uhr vor dem Austria Kongresscenter zu sehen.
Melde dein Kommen bitte bei info@wir-haben-es-satt.at

 

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Film: BAUER UNSER

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Filmplakat – (c) Filmladen

Der Dokumentarfilm BAUER UNSER zeigt gleichermaßen ungeschönt wie unaufgeregt, wie es auf Österreichs Bauernhöfen zugeht. So vielfältig die Bäuer*innen – von der Biobäuerin bis zum konventionellen Agraringenieur – so einhellig der Tenor: Wie bisher darf es nicht weitergehen. Es läuft etwas falsch. Das Mantra der Industrie und Politik – schneller, billiger, mehr – stellen die meisten von ihnen in Frage. Wir müssen überlegen, wie jede und jeder einzelne von uns am System beteiligt ist und wie wir es gemeinsam verändern können. Das enorme Publikumsinteresse an BAUER UNSER zeigt, dass es viele Menschen gibt, die sich an der Neugestaltung unseres Agrar- und Ernährungssystems beteiligen wollen. Die Nyéléni Bewegung für Ernährungssouveränität wird stärker.

Sehen Sie sich den Film an, reden Sie mit, bilden Sie sich eine Meinung, erzählen Sie weiter, was Sie gehört und gesehen haben!

Weiter lesen…

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DEMO gegen CETA und TTIP

Mit letzter Kraft und allen möglichen Tricks versuchen die Regierungen, die EU-Kommission und die Lobbyisten der Agrar- und Lebensmittelindustrie, CETA und TTIP gegen den Widerstand der Menschen durchzuboxen. Dabei ist schon längst klar – diese Handelsabkommen bringen unsere Lebensmittel und unsere Landwirtschaft in Gefahr. Große Konzerne sollen noch mehr Einfluss bekommen, wenn es darum geht, was auf unsere Teller kommt. Kleinbäuerinnen und -bauern auf beiden Seiten des Atlantiks würden dadurch noch weiter in Bedrängnis geraten. Die Umwelt kommt weiter unter die Räder, das Klima wird weiter angeheizt. Auf der Demo gegen CETA und TTIP wollen wir den Widerstand von Bauern und Bäuerinnen, Menschenrechts-, Umweltschutz- und Nord-SüdaktivistInnen sowie Klimagerechtigkeitsbewegungen machen.

Kommt mit Gartenwerkzeugen, Scheibtruhen, Milch- oder Gießkannen und allem, was euch sonst so einfällt und unterstützt uns im Landwirtschafts- und Umweltblock!

Wann? Samstag, 17. September

Treffpunkt: 14 Uhr, Karlsplatz, Wien

Wir wollen faire Handelsbedingungen und eine ökologische Lebensmittelproduktion – und einen sozial-ökologischen Umbau unserer Wirtschaft und Gesellschaft!

Weitere Termine in ganz Österreich und mehr Infos: www.ttip-stoppen.at14324313_10154011545262857_7225196257950846503_o

 

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Milchdialog: ÖBV fordert ökologische und artgerechte Milchtierhaltung sowie Mengenregulierung

Wien, 10. Juni 2016.

Die ÖBV-Via Campesina Austria begrüßt als Teil der Plattform „Wir haben es satt“, dass zum nächste Woche stattfindenden Milchdialog erstmals auch kritischen Organisationen eingeladen sind.

Zentrales Anliegen der ÖBV ist es, beim Milchdialog auch über Maßnahmen, die der Überproduktion entgegenwirken, zu diskutieren. Nicht zuletzt aufgrund der massiv angestiegenen Liefermengen in ganz Europa sei eine Milchtierhaltung, die auf dem exzessiven Einsatz von Kraftfutter und der Zucht auf Hochleistung anstatt auf Lebensleistung beruht, nicht mehr zu akzeptieren.

„Milchkühe müssen wieder wiederkäuergerecht gefüttert werden, das heißt vorwiegend Futter aus Dauergrünland und Feldfutter erhalten. Die bodenungebundene Milchproduktion, die auf der Verfütterung von importierten Eiweißfuttermitteln beruht, ist weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll und auch aus Tierschutzgründen abzulehnen“, so ÖBV-Milchbäuerin Judith Moser-Hofstadler, die auch am Milchdialog teilnehmen wird.

Beim Milchdialog soll festgehalten werden, dass die Interessen von Milchbauern/-bäuerinnen, sowie der Bevölkerung ins Zentrum der neuen Milchpolitik gestellt werden muss. Zudem brauche es Minimalanforderungen für alle Milchkuhbetriebe, die eine artgerechte Haltung gewährleisten sollen:

  • 75% des Futters aus Dauergrünland bzw. Feldfutter
  • Begrenzung auf 2 GVE/ha um eine bodengebundene Milchviehhaltung sicherzustellen.
  • Verpflichtender Liegeplatz im Stall pro Kuh

„Ganz wichtig ist uns auch, dass eine stärkere Mitsprache der Milchbauern und Milchbäuerinnen innerhalb der Molkereien gewährleistet wird und LieferantInnen solidarisch miteinander sind. Es darf keine Preisabschläge für kleine Milchbetriebe  mehr geben“, so Moser-Hofstadler.

Die ÖBV wird beim Milchdialog darauf drängen, die Milchposition der ÖBV und das Milchmanifest zu berücksichtigen, das die IG Milch gemeinsam mit der ÖBV und anderen Gruppierungen Ende März in Wien der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Zentrale Punkte in beiden Papieren sind eine Ökologisierung der Produktion sowie eine funktionierende Marktregulierung.

Rückfragehinweis: Judith Moser-Hofstadler, +43 664 23 49 137; judith.moser-hofstadler@gmx.at

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Milchdialog: Attac fordert Regionalisierung statt Exportorientierung

„Milchmenge begrenzen und Förderungen neu verteilen“

Am 14. Juni lädt Landwirtschaftsminister Rupprechter zum sogenannten Milchdialog. Als Teil der Plattform „Wir haben es satt“ begrüßt das globalisierungskritische Netzwerk Attac den Dialog. Für Attac ist angesichts der tiefen Milchkrise klar, dass er einen Prozess hin zu einer grundlegenden Abkehr von Überschuss- und Exportorientierung in der Land- und Milchwirtschaft einläuten muss. Attac fordert eine Regionalisierung der Wirtschaft, die sich am europäischen Bedarf orientiert. Die Produktion und Verteilung von Lebensmitteln dürfe nicht dem sogenannten „freien Markt“ überlassen werden.

Exportorientierung und Freihandelslogik führen zu Hungerkrisen und Flucht

Österreich produziert heute mehr als das eineinhalbfache der für eine Selbstversorgung nötigen Milchmenge. (1) Aus globaler Sicht verdrängen diese Überschüsse und die niedrigen Erzeugerpreise die MilchproduzentInnen im globalen Süden. Denn ein großer Teil der Überschüsse wird ins Ausland exportiert, etwa in Form von Milchpulver. „Exportorientierte Agrarpolitik und neoliberale Freihandelslogik zerstören kleinbäuerliche Selbstversorgungsstrukturen in den ärmsten Ländern. Dies mündet wiederum in Hungerkrisen und Flucht“, kritisiert Carla Weinzierl, Agrarexpertin von Attac Österreich.

Begrenzung der Milchmenge führt zu kostendeckenden Preisen

Um die Überschüsse zu reduzieren fordert Attac kostendeckende Preise – auch einen ebensolchen Milchpreis. Dafür ist eine Begrenzung der Milchmenge nötig, die sich am (relativ stabilen) lokalen Bedarf orientiert. „Milchmenge und Milchpreis müssen demokratisch zwischen allen Betroffenen, allen voran den Milchbäuerinnen und -bauern, verhandelt werden“, fordert Weinzierl. Höhere Preise für KonsumenInnen können dabei durch eine Förderung von Direktvermarktung und genossenschaftlichen Molkereien vermieden werden.

Begrenzung der Milchmenge führt zu kostendeckenden Preisen

Attac fordert auch eine Neuverteilung der Fördergelder. Denn die aktuellen Agrar-Subventionen (2) kommen nicht bei KonsumentInnen, sondern vor allem bei den großen Molkereien und dem Einzelhandel an. (3) Und die im September 2015 beschlossene Liquiditätshilfe hilft vor allem jenen Betrieben, die in den letzten Jahren ihre Milchproduktion massiv gesteigert und so das Problem mitverursacht haben. Statt großer maschinen- und ressourcenintensiver Betriebe sollten daher kleinere, meist ressourcenschonende aber arbeitsintensivere Betriebe (wie Bergbauernhöfe) gefördert werden. „Öffentliche Gelder sollten eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung, das Tierwohl und sozial verträgliche Arbeitsbedingungen fördern und nicht eine weitere Konzentration im Agrarbereich“, fordert Weinzierl. Langfristig können durch kostendeckende Preise auch Förderungen abgebaut werden.

Hintergrundinformationen:

  • Entgegen volkswirtschaftlicher Vernunft wurde die Milchmenge in Europa und in Österreich – trotz sinkender Preise – stetig gesteigert. Österreich hat bei der Milch einen Selbstversorgungsgrad von 160% (gestiegen von 100% im EU-Beitrittsjahr 1995). Obwohl seit 1995 mehr als 50% der österreichischen MilchproduzentInnen den Betrieb einstellten, blieb die produzierte Milchmenge im selben Zeitraum gleich bzw. stieg sogar leicht an. Die Milchmenge pro Betrieb wurde demnach durchschnittlich verdoppelt. Die betriebswirtschaftlichen Entscheidungen der Bauern und Bäuerinnen wurden auch von politischen Entscheidungen gefördert. Auch weltweit liegt die produzierte Menge an Milch weit über dem Bedarf.
  • Die EU förderte die Landwirtschaft 2015 mit knapp 55 Milliarden Euro. Zwischen 2014 und 2020 stehen Österreich 8,75 Milliarden Euro an EU-Geldern für die österreichische Landwirtschaft zur Verfügung, im Schnitt bekommen BäuerInnen und Bauern knapp 700 Millionen Euro Direktzahlungen (1. Säule der GAP) jährlich. Im Bereich Ländliche Entwicklung (2. Säule) werden zusätzlich zu den EU-Geldern nationale Mittel durch den Bund und die Länder im Verhältnis 60 zu 40 aufgebracht. Insgesamt wurden im Jahr 2014 über zwei Milliarden Euro an EU-, Bundes- und Landesgeldern aufgewendet.
  • Ein Liter Biomilch, für den der Bauer 45 Cent bekommt, kostet im Supermarkt 1,29 Euro. Bei verarbeiteten Milchprodukten ist die Gewinnspanne noch höher.

Attac

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